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YUJIN LEE – CHRONOS UND KAIROS

25. April – 01. Juni 2013

ERÖFFNUNG
24. April 2013, 19.00 – 22.00 Uhr
In Anwesenheit der Künstlerin

EINFÜHRUNG
Julika Nehb, Kunsthistorikerin, Berlin

 

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YUJIN LEE – CHRONOS UND KAIROS

25. April – 01. Juni 2013

ERÖFFNUNG
24. April 2013, 19.00 – 22.00 Uhr
In Anwesenheit der Künstlerin

EINFÜHRUNG
Julika Nehb, Kunsthistorikerin, Berlin

 


 

MIA-FLORENTINE-WEISS STARTSEITE


MIA FLORENTINE WEISS – PEACE NEVER SLEEPS

Sonderausstellung während des GALLERY WEEKEND 2013
26. – 28. April 2013

@
MORGEN CONTEMPORARY
PROJECT SPACE
Auguststr. 2a
10117 Berlin


ERÖFFNUNG
25. April 2013, 18.00 – 21.00 Uhr
Live Performance der Künstlerin


ÖFFNUNGSZEITEN
Tägliche Live Performance
26. – 28. April 2013  11.00 – 19.00 Uhr

 

 

YUJIN LEE – CHRONOS UND KAIROS
25. April – 01. Juni 2013

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MIA FLORENTINE WEISS – PEACE NEVER SLEEPS
Sonderausstellung während des GALLERY WEEKEND 2013
26. – 28. April 2013

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Inhalt folgt in Kürze.

 

Inhalt folgt in Kürze.

 

YUJIN LEE
CHRONOS UND KAIROS

Text: Julika Nehb

Zeitgenössische künstlerische Äußerungen im Medium der Zeichnung sind derart vielgestaltig, dass die Linie zu einem ihrer letzten gemeinsamen Nenner geworden ist. Die in Korea geborene und in Berlin lebende Künstlerin Yujin Lee (*1986) setzt in einem hochkonzentrierten, meditativ anmutenden Werkprozess einen Bleistiftstrich neben den anderen auf das Papier; eine senkrechte, zart schraffierte Linie neben die andere. Als Gesamtheit erfasst, erwecken sie durch gezielte Verdichtung monumentale, sensibel stilisierte Rauchwolkenfigurationen zum Leben.

Die vertikale Linie wird in verschiedenen Kulturen mit Eigenschaften wie Spannung, Stärke und Stabilität in Verbindung gebracht; Kandinsky bezeichnete die Vertikale in seiner Formenlehre als „die warme Form“. Das antike Liniengleichnis von Platon vergleicht die gesamte erkennbare Wirklichkeit mit einer senkrecht vorgestellten Linie; in der Höhlenmalerei symbolisiert die Vertikale den aufrecht gehenden, autonomen Menschen, ähnlich wie in fernöstlichen Philosophien. Im christlichen Kreuz stellt die Vertikale den Menschen dar, der nach einer Verbindung zwischen Erde und Himmel strebt.

In einem Hochformat von über 2 Metern entfalten die Linien in Yujin Lees „Cloud“-Serie eine extrem plastische Wirkung. Die Wolkenfigurationen werden dem Betrachter gleichsam zu einem Gegenüber mit physischer Präsenz.

Yujin Lees handwerkliches Können geht auf eine traditionelle, klassische Ausbildung in Korea und in den USA zurück. Neben der formalästhetischen Herausforderung, das Phänomen „Rauch“ zu erfassen, ist die Wahl ihres Gegenstands auf ein aktives politisches Bewusstsein und eine andauernde, künstlerische wie persönliche Identitätssuche zurückzuführen. Aufgrund eines ausgeprägten Interesses an politischer und medialer Inszenierung von Personen, konkreten Ereignissen und Phänomenen dienen Lee häufig Pressebilder als Vorlagen.

Die Frage nach dem Ursprung der Rauchwolken ist, ihrer Ehrfurcht erweckenden, poetischen Schönheit zum Trotz, so brisant wie beunruhigend. Denn ob Yujin Lees Motive ein tatsächliches, voraus gegangenes Ereignis abbilden, bleibt ungewiss. Rauch ist ein indexikalisches Zeichen für Feuer, für eine meistens gefährliche, gewalttätige Ursache. Vulkanausbrüche, Großbrände, Bombenexplosionen oder Atomkatastrophen – medial und kulturell werden Rauchwolken gelesen als Zeichen einer sich ankündigenden Klimakatastrophe, als Konsequenzen schwerwiegender Unfälle oder als bewusst vom Menschen herbeigeführte Gewalttaten. Was sie in Ursprung, Form und Entwicklung verbindet, ist ihre Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit. Yujin Lee verbirgt den Ursprung ihrer Rauchwolken bewusst. So sind ihre Zeichnungen vielmehr als künstlerischer Kommentar zum Prozess der Distanzierung innerhalb der ästhetischen Erfahrung zu verstehen, in dem die Künstlerin auf die Rezeption von Rauchwolken in Populärkultur und Presse verweist. Dort wurde vor allem der Atompilz zwar schnell zu einem stereotypen Erkennungszeichen einer Kernwaffendetonation; zugleich lenkt sein Bild – durch seinen schieren Symbolgehalt – von der tatsächlichen, verheerenden Destruktivität einer solchen Detonation ab.

Darüber hinaus ist Rauch aber auch ein traditionelles barockes Vanitas-Symbol; der Qualm einer erloschenen Kerze ein Hinweis auf Tod und Vergänglichkeit. Zweifelsohne reflektiert Lee mit der „Cloud“-Serie (vor allem aber mit der „Telescope“-Serie, farbige Kreidezeichnungen, welche die Ausstellung ergänzen) wenn auch unterbewusst, das generationsübergreifende Gefühl im Schatten der Bombe aufzuwachsen; in einem Land, dessen Teilung aus geostrategischen Gründen mittels Staatsgewalt aufrechterhalten wird.

Bei den Namensgebern der Ausstellung handelt es sich um zwei mythologische Gottheiten: Chronos herrscht über die Zeit, Kairos über den idealen Augenblick. Sie verweisen auf die paradoxen Wesensmerkmale des künstlerischen Gegenstandes – und des Mediums der Zeichnung. Rauchwolken sind trotz ihrer physischen Präsenz ephemer und ungreifbar, sie vergehen so schnell, dass kaum Zeit bleibt, um über ihren gewaltaffinen Ursprung nachzudenken. Wenn sie, wie in Yujin Lees Zeichnungen, ihrem Kontext entrissen werden, verlieren sie damit ihren Ursprung, ihre Wurzeln, und vermitteln so den Eindruck von Heimatlosigkeit und Verlorenheit. Gleichzeitig werden sie im Prozess der formalen Vergegenständlichung dauerhaft auf dem Papier festgehalten; in einem „idealen Augenblick“, der das Phänomen mit all seinen verschiedenen Facetten erfasst. Lee folgt dem künstlerischen Selbstverständnis, dass der Werkprozess selbst zum Manifest gegen das Vergängliche wird. In ihrer stummen Präsenz subtil vibrierend, entwickeln die Formationen ein Eigenleben, als würde eine bedrohliche Kraft hinter den Linien atmen.

 

 

YUJIN LEE
CHRONOS UND KAIROS

Text: Julika Nehb

Zeitgenössische künstlerische Äußerungen im Medium der Zeichnung sind derart vielgestaltig, dass die Linie zu einem ihrer letzten gemeinsamen Nenner geworden ist. Die in Korea geborene und in Berlin lebende Künstlerin Yujin Lee (*1986) setzt in einem hochkonzentrierten, meditativ anmutenden Werkprozess einen Bleistiftstrich neben den anderen auf das Papier; eine senkrechte, zart schraffierte Linie neben die andere. Als Gesamtheit erfasst, erwecken sie durch gezielte Verdichtung monumentale, sensibel stilisierte Rauchwolkenfigurationen zum Leben.

Die vertikale Linie wird in verschiedenen Kulturen mit Eigenschaften wie Spannung, Stärke und Stabilität in Verbindung gebracht; Kandinsky bezeichnete die Vertikale in seiner Formenlehre als „die warme Form“. Das antike Liniengleichnis von Platon vergleicht die gesamte erkennbare Wirklichkeit mit einer senkrecht vorgestellten Linie; in der Höhlenmalerei symbolisiert die Vertikale den aufrecht gehenden, autonomen Menschen, ähnlich wie in fernöstlichen Philosophien. Im christlichen Kreuz stellt die Vertikale den Menschen dar, der nach einer Verbindung zwischen Erde und Himmel strebt.

In einem Hochformat von über 2 Metern entfalten die Linien in Yujin Lees „Cloud“-Serie eine extrem plastische Wirkung. Die Wolkenfigurationen werden dem Betrachter gleichsam zu einem Gegenüber mit physischer Präsenz.

Yujin Lees handwerkliches Können geht auf eine traditionelle, klassische Ausbildung in Korea und in den USA zurück. Neben der formalästhetischen Herausforderung, das Phänomen „Rauch“ zu erfassen, ist die Wahl ihres Gegenstands auf ein aktives politisches Bewusstsein und eine andauernde, künstlerische wie persönliche Identitätssuche zurückzuführen. Aufgrund eines ausgeprägten Interesses an politischer und medialer Inszenierung von Personen, konkreten Ereignissen und Phänomenen dienen Lee häufig Pressebilder als Vorlagen.

Die Frage nach dem Ursprung der Rauchwolken ist, ihrer Ehrfurcht erweckenden, poetischen Schönheit zum Trotz, so brisant wie beunruhigend. Denn ob Yujin Lees Motive ein tatsächliches, voraus gegangenes Ereignis abbilden, bleibt ungewiss. Rauch ist ein indexikalisches Zeichen für Feuer, für eine meistens gefährliche, gewalttätige Ursache. Vulkanausbrüche, Großbrände, Bombenexplosionen oder Atomkatastrophen – medial und kulturell werden Rauchwolken gelesen als Zeichen einer sich ankündigenden Klimakatastrophe, als Konsequenzen schwerwiegender Unfälle oder als bewusst vom Menschen herbeigeführte Gewalttaten. Was sie in Ursprung, Form und Entwicklung verbindet, ist ihre Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit. Yujin Lee verbirgt den Ursprung ihrer Rauchwolken bewusst. So sind ihre Zeichnungen vielmehr als künstlerischer Kommentar zum Prozess der Distanzierung innerhalb der ästhetischen Erfahrung zu verstehen, in dem die Künstlerin auf die Rezeption von Rauchwolken in Populärkultur und Presse verweist. Dort wurde vor allem der Atompilz zwar schnell zu einem stereotypen Erkennungszeichen einer Kernwaffendetonation; zugleich lenkt sein Bild – durch seinen schieren Symbolgehalt – von der tatsächlichen, verheerenden Destruktivität einer solchen Detonation ab.

Darüber hinaus ist Rauch aber auch ein traditionelles barockes Vanitas-Symbol; der Qualm einer erloschenen Kerze ein Hinweis auf Tod und Vergänglichkeit. Zweifelsohne reflektiert Lee mit der „Cloud“-Serie (vor allem aber mit der „Telescope“-Serie, farbige Kreidezeichnungen, welche die Ausstellung ergänzen) wenn auch unterbewusst, das generationsübergreifende Gefühl im Schatten der Bombe aufzuwachsen; in einem Land, dessen Teilung aus geostrategischen Gründen mittels Staatsgewalt aufrechterhalten wird.

Bei den Namensgebern der Ausstellung handelt es sich um zwei mythologische Gottheiten: Chronos herrscht über die Zeit, Kairos über den idealen Augenblick. Sie verweisen auf die paradoxen Wesensmerkmale des künstlerischen Gegenstandes – und des Mediums der Zeichnung. Rauchwolken sind trotz ihrer physischen Präsenz ephemer und ungreifbar, sie vergehen so schnell, dass kaum Zeit bleibt, um über ihren gewaltaffinen Ursprung nachzudenken. Wenn sie, wie in Yujin Lees Zeichnungen, ihrem Kontext entrissen werden, verlieren sie damit ihren Ursprung, ihre Wurzeln, und vermitteln so den Eindruck von Heimatlosigkeit und Verlorenheit. Gleichzeitig werden sie im Prozess der formalen Vergegenständlichung dauerhaft auf dem Papier festgehalten; in einem „idealen Augenblick“, der das Phänomen mit all seinen verschiedenen Facetten erfasst. Lee folgt dem künstlerischen Selbstverständnis, dass der Werkprozess selbst zum Manifest gegen das Vergängliche wird. In ihrer stummen Präsenz subtil vibrierend, entwickeln die Formationen ein Eigenleben, als würde eine bedrohliche Kraft hinter den Linien atmen.

 

 

YUJIN LEE

BIBLIOGRAFIE

2013 Association volume 5, Cornell University, School of Architecture, Art and Planning, USA
2012 In a Vacuum, Katalog zur Einzelausstellung, Gallery DOS, Seoul, Südkorea;
Explosion Transforms into Art, Artikel von Seung-pil Hong, Weekly Hankook, Südkorea;
Artist Interview: Yujin Lee, Everything is Index, Nothing is History;
Fan Mail: Lee Yujin, Artikel von Allie Haeussiein, Daily Serving
2011 About Smoke. An interview with Yujin Lee, Artikel von Anna Russ, Berlin Art Link;
Out in Berlin: Fume Emits, Artikel von Monica Salazar, Berlin Art Link
2009 Concept, Commerce and Creation Collide, Artikel von Sarah Carpenter, The Cornell Daily Sun, USA
 

YUJIN LEE

BIOGRAFIE

1986 * in Daegu, Südkorea
Lebt und arbeitet in Berlin
2006 Studium an der Pont-Aven School of Contemporary Art, Pont-Aven, Frankreich unter Sarah Flohr;
Studium an der University in New York City, School of Architecture, Art and Planning, New York, USA unter Buzz Spector
2007 Studium an der New York University in Shanghai, The Steinhardt School, Shanghai, China unter Wolfgang Stiller
2008 Studium an der Cornell University in Rome, School of Architecture, Art and Planning, Rome, Italy unter Todd McGrain
2009 Studium an der Cornell University, School of Architecture, Art and Planning, Ithaca, NY, USA;
Bachelor of Fine Arts (BFA), Malerei
2012 Columbia University Printmaking Summer Intensive, Columbia University School of the Arts, New York, USA unter Tomas Vu


EINZELAUSSTELLUNGEN

2013 Chronos und Kairos, Morgen Contemporary, Berlin
2012 In a Vacuum, Gallery DOS, Seoul, Südkorea
2011 One Night Stand, Kim’s Bar, Berlin
Benumbed, Takt Kunstprojektraum, Berlin


GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

2013 Barterlines, Eloquence Magazine Itaewon Kamp, Seoul, Südkorea
2012 Drawing Show: No Illusion, Kreuzberg Pavillon Kassel, Kassel; NordArt, Kunstwerk Carlshütte, Büdelsdorf;
Everything is Index, Nothing is History, Invisible Dog, Brooklyn, New York, USA;
Redefining Power, Salon Populaire, Berlin;
People Against Violence Against People, Pica Pica, Berlin
2011 We Can Start a Process, Kreuzberg Pavillon Neukölln, Berlin;
Intersection, Projektraum, Freies Museum, Berlin;
World Peace Festival Exhibition, Freies Museum, Berlin;
Fume Emits, loop – raum für aktuelle kunst, Berlin
2010 Anna Steele & Yujin Lee, Alice Gryphius "Café & Kunstraum", Berlin;
Myth Hong Empty Room Project, Salon de Myth Hong, Seoul, Südkorea;
2009 Painting Structure: Tree and Bomb, Hartell Gallery, Ithaca, NY, USA;
Art Made Money Made Art, Olive Tjaden Gallery, Ithaca, NY, USA


KURATORISCHES WERK

2012 Drawing Show: No Illusion, Kreuzberg Pavillon Kassel, Kassel


PREISE | AUSZEICHNUNGEN | STIPENDIEN

2013 Berlinerpool archive, Germany
2012 7th SOMA Drawing Center Archive Artist, Seoul, South Korea
2010 – 2011 p:142 Artist-in-Residence, Berlin, Germany
2010 Takt Kunstprojektraum Artist-In-Residence, Berlin, Germany
2008 The Edith Stone and Walter King Memorial Prize, Cornell University, Ithaca, NY, USA
2007 David R. Bean Prize in Fine Art, Cornell University, Ithaca, NY, USA
2005 – 2008 Academic Honor Roll, Cornell University, Ithaca, NY, USA
   

Inhalt folgt in Kürze.