Niki Elbe —Safari

Niki Elbe —Safari

Text: Julika Nehb

Die zweite Soloausstellung von Niki Elbe in der Galerie MORGEN CONTEMPORARY präsentiert erstmals Arbeiten aus der noch unabgeschlossenen Serie Safari.

Die Bildwelten von Niki Elbe prägt ein vibrierender, poppiger und vom Gegenstand losgelöster Kolorismus und ein Bildraum, der sich über Fläche und Kontur organisiert. Obschon man in Versuchung gerät, formale Bezüge zum europäischen Modernismus oder zu Zeitgenossen wie Franz Ackermann, Beatriz Milhazes oder Marcel Dzama herzustellen, bewegt sich die Formensprache der Künstlerin unabhängig von kunsthistorischen Kontexten. Einerseits weist Elbes Formensprache deutliche grafisch-illustrative Elemente auf, vor allem hinsichtlich der Flächen- und Figurengestaltung, und den starken Kontrasten von scharf konturierter, schwarzer Tusche und intensiv leuchtenden Acryl-, Aquarell- und Gouachefarben. Zugleich zeichnet sie sich durch einen freieren, malerisch-gestischen Duktus aus, etwa wenn die Künstlerin unvermittelt zart lasierende, transparente Aquarellwolken in den Bildraum und auf das noch feuchte Papier setzt.

Die Figuren und ihre natürliche oder konstruierte Umwelt werden in Größenverhältnissen dargestellt, die sich nicht um Realitätstreue bemühen, sondern den Vorstellungen der Künstlerin folgen – und daher mit den Prinzipien des mittelalterlichen Bedeutungsmaßstabs in Verbindung gebracht werden können.
Inhaltlich setzt sich Elbe mit dem Reisen im weitesten Sinne auseinander: Safari ist Swahili und bedeutet „Reise“. Weniger eine durchgängige Narration als vielmehr das Episodenhafte kennzeichnet insofern die Serie. Häufig wiederkehrende, fantastische Charaktere, mitunter symbolisch aufgeladen oder afrikanischen, indischen oder südamerikanischen Kulturkreisen entstammend, springen von Bild zu Bild: Eine blonde Frauenfigur findet sich ebenso häufig wieder wie kleine uniformierte Äffchen, Fische oder Vögel. Die Äffchen nehmen die Rolle des Störenfrieds ein: „Wilde Gesellen, Begleiter, die mit anarchischer und sexueller Energie das Leben aufmischen“, so Elbe.

Es ist unvermeidbar, dass die Künstlerin in ihren Arbeiten auch Persönliches verarbeitet. Allerdings verläuft Elbes Werkgenese oft derart intuitiv und unbewusst, dass ihre Kunst nicht im Sinne des Autobiografischen gelesen werden sollte.
Subjektive Erfahrung, intime Wunschvorstellungen und fast mystisch-romantische Auffassungen vom Reisen in die Natur und die verschiedenen Kulturen schieben sich in „Safari“ neben breiter angelegte Themenkomplexe. So finden Stärke, Schönheit und Selbstbewusstsein der Frau gewiss eine besondere Beachtung  – doch auch den komplizierten Bedingungen weiblicher Identität und Sexualität, dem Verhältnis von Natur und Mensch, oder dem Verhältnis von Frau und Mann spürt die Künstlerin nach. So werden die Szenen von Begegnungen beherrscht, die zugleich anziehen und irritieren. Formale Qualitäten stehen sich diametral gegenüber; ein scheinbar vertrautes trifft auf ein eher exotisches, folkloristisches Motiv- und Figurenvokabular. Aus diesen vielschichtigen innerbildlichen Wechselwirkungen und Gegensätzen entwickelt sich eine stetige Faszination beim Betrachten.

Innerhalb der aktuellen Kunstproduktion, die bestehende Bilder in andere Bilder transformiert, bewegen sich Niki Elbes poesievolle Werke in einem weltumspannenden Zusammenhang, in dem persönliches Erleben und zeitgenössische Universalität miteinander verwoben werden.