Alexander von Schlieffen: Einführung

Text: Michéle Victor Adamski

Der Künstler Alexander von Schlieffen lebte und wirkte in den aufregenden achtziger Jahren in Köln, inmitten der damals fruchtbarsten Kunstszene der Welt. Das Rheinland war in diesen Jahren geprägt von der internationalen Zusammenarbeit von Künstlern aller Sparten. Das Werk von Schlieffens ist von einem präzisen Handwerk und einem hohen Können getragen. 


Seine Liebe zur Malerei der italienischen Frührenaissance mit der Intensität ihrer lichtdurchdrungenen Farben prägt sein künstlerisches Empfinden von Anbeginn. Eine weitere tiefe Affinität fußt in der Beschäftigung mit der Astrologie. Über Jahrhunderte setzten sich Künstler wie da Vinci, Tintoretto, Dürer – um nur einige zu nennen – mit den Zusammenhängen des Firmaments und der Erde auseinander. Sie tauchten tief in diese mystische Kunst ein und verbargen in ihren Bildern Botschaften, die bis heute die forschende Kunstwelt in Atem halten.  


Von Schlieffen benutzt die erwähnten Fähigkeiten in scheinbar einfacherer Weise. Statt Symbole oder ikonografisch verschlüsselte Bildmomente zu schaffen, liegt sein Schwerpunkt in einem grandiosem Umgang mit Farbe. Malte er zu Beginn klassische Momente in klassischen Farbkompositionen, so fand er über die Jahre zu einem Farbkonzept, in welchem er in altmeisterlicher Maltechnik Farben verwendet, die mitunter an die Popart erinnern. So werden die neuen Arbeiten in einer wirklichkeitsentrückten Farbigkeit vorgetragen, bei denen durch den Kontrast von kühlem Kobaltblau und gleißendem Orange der Eindruck entsteht, dass die Motive glühen oder leuchten. Schlieffen schafft eine Bildwelt, welche von der Lichtmystik des frühen Mittelalters und der greifbaren Sinnlichkeit der italienischen Malereikultur genauso geprägt ist wie von den virtuellen und digitalen Bildwelten der Gegenwart. Es ist das Licht, welches die Diversität der scheinbar unvereinbaren Themen in eine Einheit überführt. 


Wir mögen Berge sehen, oder stille, verlassene Betten, die eine Nachtlandschaft hinterlassen, Träume und erotische Momente vermuten. Manches Bild ist noch warm und verbreitet einen leichten Duft, ein anderes ruht bereits abgekühlt und scheint Jahrhunderte lang seiner Nachtgeschichte überlassen geworden zu sein. Diese Berge oder Tücher des Tages oder der Nacht, die sich wie eine innere Landschaft über schwebenden Liegestätten spannen, sind poetisch. Wir, die Betrachter, dürfen unsere eigenen Momente in die Farben legen. Und während wir dies versuchen, durchdringen uns die Blicke seiner Porträts und der Figuren, die aus dem Jetzt oder der Vergangenheit auftauchen.